Mompitz – Hip Hop

08 Mrz

Kategorie: Geschichten

 

Mompitz – Hip Hop

 

 

„Und das größte der Streichinstrumente, ist der Kontrabass. Ich hoffe, ihr schreibt alles genau mit Kinder, so wie ich es euch vorhin gesagt habe!“ Moritz starrte zur Decke. Mann, war das wieder öd! Wie konnte ein so tolles Fach, wie Musik, nur so langweilig sein. „Gut, also wiederholen wir das mal. Moritz, wie heißt das größte Streichinstrument?“ Moritz starrte immer noch zur Decke. Frau Müde, seiner Musiklehrerin, schien das gar nicht zu gefallen. Streng rief sie: „Moritz! Hörst du mir überhaupt zu?! Wie das größte Streichinstrument heißt, habe ich dich gefragt!“ „Na, wieder mal nicht aufgepasst? Kein Wunder, bei der ganzen Langeweile, die hier herrscht. Hast du ein Glück, dass ich hungrig bin.“ Moritz zuckte zusammen. Was war das eben für eine seltsame, kratzige, leise Stimme gewesen. „Die Antwort ist übrigens: der Kontrabass.“ Da war sie wieder, diese unbekannte Stimme. „Moritz! Ich warte immer noch auf deine Antwort!“ Frau Müde war nun schon ziemlich wütend. „Der Kontrabass?“, murmelte Moritz, in der Hoffnung, dass die seltsame Stimme, die er eben gehört hatte, ihm die korrekte Lösung geflüstert hatte. Auf Frau Müdes Gesicht machte sich ein Lächeln breit. „Sehr gut, Moritz. Der Kontrabass. Gehen wir also weiter im Stoff.“ „Mhm, lecker! Diese Langeweile schmeckt ja besonders gut. Ist es hier etwa immer so öd? Dann werde ich euch in Zukunft öfters besuchen kommen. Ich habe nämlich ständig Gusto auf Langeweile.“ Moritz blickte sich verwirrt um. Wer redete da bloß mit ihm? „Haaaaalloo! Moritz, da bin ich! Genau vor deiner Nase. Eigentlich kann man mich ja nicht sehen, aber wenn du dich sehr anstrengst – wer weiß?“ Moritz war nun neugierig. Er wollte dieses Ding, das da mit ihm sprach, unbedingt sehen. Konzentriert blickte er auf seinen Schreibtisch. Da! War da ein grüner Fleck gewesen!? „Ja, mach weiter so, Moritz! Gleich hast du es!“ Moritz wünschte sich nichts mehr, als herauszufinden, woher diese Stimme kann. Und da, plötzlich, sah er es. Dieses seltsame grüne Ding, mit rot – schwarzen Armen, einem blau gestreiften Schwanz und, ihr werdet es nicht glauben, einer Glühbirne auf dem Kopf! Was mampfte es denn da? Das seltsame Ding machte eine kunstvolle Verbeugung. „Darf ich mich vorstellen. Mein Name ist Herbert. Ich bin ein Mompitz. Und was ich hier gerade mampfe, ist übrigens Langeweile. Schmeckt echt lecker! Willst du mal probieren?“ Moritz überlegte kurz, ob er wohl verrückt war? Er sah ein seltsames, buntes Wesen, das Herbert hieß und Langeweile fraß? Vielleicht sollte er doch auf Mama hören und weniger Computer spielen. „Was meinst du, Moritz? Lass uns doch ein bisschen Schwung in die Bude bringen! Schließlich ist das eine Musikstunde und kein Begräbnis!“ Moritz sah mit offenem Mund dabei zu, wie dieser Mompitz, wie hieß er noch mal, ach ja, Herbert, von einem Tisch zum nächsten hüpfte. Moritz` Klassenkollegen schienen ihn jedoch nicht zu bemerken. Mit einigen riesengroßen Sprüngen landete Herbert schließlich auf dem Lehrerpult. Im selben Moment begann die Glühbirne auf seinem Kopf zu leuchten, und Moritz hörte ein: „Machen wir doch ein bisschen Musik!“ Dann beobachtete er Herbert dabei, wie er am großen CD – Player, der auf dem Lehrerpult stand, herumnestelte. Die ganze Klasse, inklusive Frau Müde, zuckte zusammen, als plötzlich laute Hip Hop – Musik aus dem CD – Player hallte. „Juhu! Ich liebe Hip Hop!“, rief der Mompitz fröhlich, während er zu freestylen begann. „Mach doch mit, Moritz!“ Moritz warf einen unsicheren Blick auf Frau Müde, die verzweifelt versuchte, die Musik abzuschalten, was ihr aber nicht gelang, da der CD – Player wie verzaubert schien. Selbst als sie das Kabel aus der Steckdose gezogen hatte, dröhnte die laute Hip Hop – Musik weiter durch den Klassenraum. Moritz blickte zu Herbert, der sich gerade auf dem Kopf drehte, ohne dabei seine Glühbirne kaputt zu machen, und flüsterte: „Was soll`s.“ Dann stand er auf und begann zu tanzen. Er schien die anderen damit anzustecken. Nach der Reihe standen nun auch Nina, Timo, Thorsten und Jenny auf, um zu der tollen Musik abzutanzen. Bald folgte auch der Rest der Klasse. Frau Müde, die mittlerweile knallrot im Gesicht war, und die Nerven bereits total verloren hatte, schrie herum: „Das gibt es doch nicht! So ein Narrenhaus! Ich gehe jetzt sofort zum Direktor!“ Da geschah etwas, das Moritz kaum glauben konnte. Herbert, der seltsame Mompitz, kletterte auf Frau Müdes Schulter und gab ihr einen Kuss auf die Wange. Die schien plötzlich wie verzaubert. Sie öffnete ihr zu einem strengen Knoten zusammengebundenes Haar, legte ihre Brille ab und seufzte: „Ach, was soll`s. Ein bisschen tanzen hat noch keinem geschadet.“ Dann mischte sie sich unter ihre Schüler und tanzte mit Begeisterung mit. Moritz blickte nach vorne zu Herbert und flüsterte: „Danke!“. Der zwinkerte ihm zu und antwortete, auf dem Kopf stehend: „Jederzeit wieder! Wo Langeweile ist, ist immer auch ein Mompitz.“ Dann verschwand er, so schnell, wie er zuvor erschienen war.

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von Lisa Gallauner

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